Genderwahnsinn: Selbst der WDR hat Schiss vor den Frauenräten

Nach Beschwerden von Frauenverbänden hat der WDR eine Folge der Talkshow “Hart aber fair” mit dem Titel “Nieder mit den Ampelmännchen, her mit den Unisex-Toiletten – Deutschland im Gleichheitswahn?” aus der Mediathek gelöscht.

Laut “Bild”-Zeitung hat sich der Moderator Frank Plasberg unter anderem darüber lustig gemacht, dass es in Deutschland 190 Professoren für Geschlechterforschung gibt, von denen 180 weiblich sind.

Gegenüber der “Bild”-Zeitung erklärte Ruth Hieronymi, die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrats: “Die Auswahl der Gäste und die Gesprächsleitung waren für die Ernsthaftigkeit des Themas nicht ausreichend.”

Zwei der Talkshow-Gäste reagieren mit Unverständnis auf die Maßnahme des WDR. So schrieb Wolfgang Kubicki (FDP) auf seiner Facebook-Seite: “Die Freude des Frauenrates über den Umgang mit einer Sendung von Plasberg finde ich unangemessen und ungehörig.” Und Schauspielerin Simone Thomalla wird auf Welt online so zitiert: “Ich als Frau soll frauenfeindlich sein? Immer wieder erstaunlich, was Frauen sich so einfallen lassen, um Frauen vor so Frauen wie mir zu beschützen. Verbote von Meinungen kenne ich eigentlich aus dem Geschichtsbuch.”

Erhellend ist natürlich nicht die Meldung an sich, sondern die Kommentare, die sich unter anderem auf den Internetseiten der FAZ und der Welt finden. Hier eine Auswahl:

Meinungsfreiheit schreibt: “Begreift mal endlich, dass Gender nichts – oder nur wenig – mit Feminismus zu tun hat. Gender ist ein von Sozialisten/ Kommunisten bereits in den 70ern erdachtes Menschen-Experiment zur Schaffung des “neuen, besseren” Menschen – ähnlich dem Terror von Pol Pot in Kambodscha.
Bei Gender geht es unter anderem auch um die Frühsexualisierung von Kindern – eine Zerstörung der Identität und eine Art Kindesmissbrauch. In der Schule müssen sich dann 13jährige in Fragebogen für ihre Heterosexualität rechtfertigen. Was hat das bitte mit Feminismus zu tun? Ich kenne keine Feministin, die sich für Kindesmussbrauch einsetzt. Die Gender-BefürworterInnen sind nichts weiter als linksgrüne Deutschen-Hasser, bzw. Hasser unseres Gesellschaftsystems.”

Ein Herr Pohl meint: “Was für parasitäre Gremien diese Räterepublik hervorbringt, bekommt man immer erst mit, wenn sie es übertreiben und über die Stränge schlagen. Zur Illustration des Gremiensozialismus empfehle ich wärmstens Dietrich Schwanitz’ Roman »Der Campus« (auch verfilmt von Sönke Wortmann, aber der Sprachwitz des Buches lohnt doch unbedingt das Lesen). Eine glänzende Satire, gefühlte zwanzig Jahre alt, das Wort »Gender« kommt, wenn ich mich recht entsinne, noch gar nicht vor, wohl aber werden die Mechanismen schon präcise beschrieben, die später zur metastasenartigen Verbreitung der »Gender Studies« geführt haben.”

Eine Frau fordert: “Diese Sendung von Plasberg war eine der wenigen, die ich mir angeschaut habe. Ich fand die Diskussion eigentlich recht munter und vorallem auszuhalten. Aber anscheinend sind die Beschwerdeführerinnen dazu nicht in der Lage. Es ärgert mich ganz enorm, dass diese Vertreterinnen geradezu übergriffig die Deutungshoheit über die Geschlechterdebatte beanspruchen und sich anmaßen, Zensur zu befördern. Ich fühle mich durch diese Geschlechtsgenossinnen in keiner Weise repräsentiert und verwehre mich vor deren Pauschalisierungen. Außerdem plädiere ich dafür, die staatliche Förderung für die Genderforschung drastisch zurückzufahren bzw. einzustellen. Für diesen Unsinn, der das Leben nur unnötig verkompliziert, sollte kein weiteres Steuergeld verpulvert werden. Das könnten z. B. soziale Einsichtungen wie etwa Frauenhäuser wirklich dringender gebrauchen.”

Weitere Kostproben aus den Kommentarleisten auf FAZ, Welt und Spiegel online:

“Wer die besseren Argumente auf seiner Seite hat, der braucht sich vor einer offenen Diskussion nicht zu fürchten. Wer diese jedoch nicht besitzt, der muss zur Durchsetzung seiner Interessen auf andere Mittel zurückgreifen.”

“Wesentliche Elemente unserer früheren demokratischen Diskussionskultur sind längst auf dem Altar der vermeintlichen Korrektheit geopfert worden. Der Weg in die Intoleranz und die Unfreiheit besteht manchmal aus ganz kleinen Schritten.”

“Bei den Mohammed-Karikaturen wurde immer so viel Wert auf “Pressefreiheit” und “Meinungsfreiheit” gelegt – aber bei “Hart aber Fair” soll das plötzlich nicht mehr gelten?”

“Es wird allerhöchste Zeit dass die Mehrheit der Gesellschaft aufsteht und sich nicht mehr länger bieten lässt, dass sich diese Sekte am Steuertrog fett frisst und die Mehrheit dafür mit Zensur und Meinungsterror gängelt.”

Neben den erwartbaren Neologismen wie “Gender-Gaga” und “Gender-Nazis” konnte ich in den Kommentaren auch so altmodische Wörter wie “Schreckschraube” entdecken. Allein dafür ist den Frauenräten zu danken.

Wann zeigt Gott Verantwortung vor den Menschen?

Den Fleiß kann man diesen Leuten nicht absprechen: Die Volksinitiative für einen Gottesbezug in der schleswig-holsteinischen Landesverfassung hat mehr als 42.000 Unterschriften innerhalb weniger Monate gesammelt (gefordert war ein Minimum von  20.000) und dem Landtagspräsidenten übergeben. Dadurch wird der Kieler Landtag nun verpflichtet, sich mit der Frage zu befassen, ob nachträglich ein Gottesbezug in die Verfassung aufgenommen wird.

Nach Ansicht von Mitinitiator und Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) wäre die entsprechende Formulierung des Grundgesetzes – “in Verantwortung vor Gott und den Menschen” – auch eine gute Formulierung für die Landesverfassung.

Da stellen sich für Gegner wie mich folgende Fragen:

Wann zeigt bzw. zeigte Gott Verantwortung vor uns? Kann Carstensen Beispiele aus der Vergangenheit nennen, in denen Gott sichtbar politische Verantwortung übernommen hat? Kann Carstensen beispielgebende Gesetze oder andere Fälle nennen, in denen der Gottesbezug hilfreich für die Entscheidungsfindung der Abgeordneten wäre? Glaubt Carstensen, dass die vergangenen Jahrzehnte schleswig-holsteinischer Politik sich durch ein unzureichendes Werte-Verständnis auszeichnen? Seit 65 Jahren hat Schleswig-Holstein keinen Gottesbezug in der Landesverfassung. Was würde sich konkret zum Positiven ändern, würde ein Gottesbezug aufgenommen? Wo hilft Gott? Hilft Gott nur den Schleswig-Holsteinern oder möglicherweise auch ein bisschen den Hamburgern und den Mecklenburgern?

Wenn Gott den Politikern bei moralischen Fragen helfen soll, kann Carstensen Beispiele nennen, in denen Gläubige bessere Entscheidungen getroffen haben als Nicht-Gläubige? Lässt es sich experimentell nachweisen, dass ein Gottesbezug die Menschen moralischer handeln lässt? Falls ja, erbitte ich eine genauere Definition von Moral aus der Perspektive der Volksinitiative. Zum zweiten erbitte ich des besseren Verständnis wegen einmal anhand der Debatte um Sterbehilfe die Position von Carstensen, um verstehen zu können, warum das eine moralischer sein soll als die zahlreichen Gegenstimmen.

Welches Verhältnis nimmt der Glauben beim Gottesbezug gegenüber dem Wissen ein? Inwieweit sind Rechtfertigungen dann noch nötig

Hat Gott die Welt erschaffen? Falls ja, wann? Und warum hat Gott den Zwerg-Planeten Pluto erschaffen, von dessen Oberfläche die Sonde „New Horizons“ gerade spektakuläre Bilder liefert?

Die Volksinitiative wird ja von Vertretern der großen Religionen getragen – von der Nordkirche, dem Erzbistum Hamburg, der islamischen Religionsgemeinschaft Schleswig-Holstein und vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden. Stört die christliche Trinitätslehre nicht die Gemeinsamkeit dieser Religionen? Müsste der Zusatz zumindest gedanklich nicht für einen Teil der Befürworter „in Verantwortung vor Gott, Gottes Sohn und den Menschen“ heißen? Und was sagen die anderen dazu?

Warum dürfen nur monotheistische Religionen bei dieser Initiative mitmachen? Was ist mit den Polytheisten? Wäre es nicht fair, den Satz entsprechend umzuformulieren „in Verantwortung vor den Göttern und den Menschen“. Der Plural wäre zeitgemäßer. Noch besser wäre angesichts all der Esoteriker, Pantheisten und der bevorstehenden Klimakatastrophe „in Verantwortung vor der Natur, den Göttern und den Menschen“.

Ist es nicht reichlich vermessen, allen Schleswig-Holsteinern diesen Gottesbezug gerade zu dem Zeitpunkt aufzuzwängen, da die Zahl der Austritte aus der katholischen und evangelischen Kirche bundesweit neue Höchststände erreicht? Ist dieser Anspruch einem Realitätsverlust geschuldet, der immer schlimmer wird, je weniger die Religionen die Menschen erreichen?

Seit der Jahrtausendwende geriert sich die SPD als Junior-CDU. Die Sozialdemokraten sind „in Verantwortung vor den Menschen“ federführend beim Rückbau des Sozialstaates und dem Aufbau eines Niedriglohnsektors gewesen. Muss das Mitmachen von Ex-Ministerpräsident Björn Engholm (SPD) bei dieser Initiative so gewertet werden, dass die SPD gern wie die CDU einen Gottesbezug für ihre Partei hätte? Ist diese Zusammenarbeit gar so zu bewerten, dass die SPD und die CDU demnächst fusionieren? Ist die wahre Erfüllung der SPD ein Aufgehen in der CDU? Ich habe es immer vermutet, aber nun wird es so offensichtlich, dass ich nicht umhin kann, dieses Geheimnis endlich in die Öffentlichkeit zu ziehen.

Mehr zu diesem Thema findet sich weiter unten in meinem Kommentar vom 28. März 2015.

Ressentimentgeladene Zicken oder die Empörung der Selbstgerechten

Es ist immer wieder ebenso erstaunlich wie erschreckend, wie viele neue Beispiele Robert Pfallers Philosophie untermauern, dass wir gegenwärtig in einer ressentimentgeladenen Gesellschaft leben. Der Hass/Hochmut und das narzisstisch bedingte Unverständnis für andere machen selbst vor harmlosen Anspielungen nicht halt, wie der Nobelpreisträger Tim Hunt erfahren musste, dessen Karriere nach diesen Sätzen auf einer Pressekonferenz beendet war: “Wenn sie im Labor sind, passieren drei Dinge: Du verliebst dich in sie, sie verlieben sich in dich, und wenn man sie kritisiert, fangen sie an zu weinen.”

Tim Hunt, 72 Jahre und Biochemiker, hatte wohl keine Ahnung, welche mediale Wendung diese Anspielung um das “Problem mit Mädchen” nehmen würde. Ein digitaler Sturm der Entrüstung drückte ihn innerhalb von 48 Stunden aus seinen Ämtern.

Hier findet sich die Geschichte etwas ausführlicher:

http://www.welt.de/vermischtes/article142552990/Der-Professor-ein-Scherz-und-der-Mob.html

Auf Spiegel Online ließen sich zwei “Mädchen” bei einem Pro-Contra-Kommentar über die Frage “Musste Hunt gefeuert werden?” aus. Die junge Journalistin, die dafür ist, schreibt unter anderem: “Darf man einen renommierten Wissenschaftler rauswerfen, nur weil er einen dummen Spruch abgelassen hat? Ja, man muss sogar. Denn Hunt wird Sätze wie diese jahrzehntelang in Laboren verbreitet haben.” Hunt ist für dieses Mädchen ein unverbesserlicher Sexist.

Für mich ist der inquisitorische Ton ihres Kommentars, die Unerbittlichkeit, mit der über ein Leben gerichtet wird, die Unverhältnismäßigkeit, mehr als erschreckend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Mädchen einen Partner hat, schließlich wäre selbst eine harmlose Anspielung wie “Darf ich dir meine Briefmarkensammlung zeigen?” in ihren Augen hassenswerter Sexismus. Niemand dürfte sich ihr nähern, denn irgendwie sind ja auch schon Blicke von Männern Sexismus.

Quelle:

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/tim-hunt-war-es-richtig-dass-er-als-ucl-prof-gehen-musste-a-1039002.html#ref=meinunghp

Hier noch einmal der Link eines FAZ-Interviews aus dem Jahr 2013 mit Robert Pfaller zum Fall “Rainer Brüderle”, der einige Parallelen aufweist. Pfaller sticht auf den ersten Blick in die Wunde der Frauen, wenn er auf das Paradoxon hinweist, dass trotz der Emanzipation die Frauen der Gegenwart “weniger wehrhaft geworden sein könnten.” Aber auch im Fall Hunt geht es ja gar nicht darum, sein Zitat zu hinterfragen, sondern sofort zu richten. Das ist echtes Ressentiment, die Empörung der Selbstgerechten.

Pfaller sagt: “Es ist ein sehr antimoderner Gedanke, wenn man davon ausgeht, dass keiner in der Lage ist, sich selbst in der Öffentlichkeit bis zu einem gewissen Grad behaupten zu können.” Vielleicht hätte man mal Hunts Kolleginnen fragen sollen, wie die Zusammenarbeit mit ihm war. Aber man kann nicht beides haben: Opfer und selbstbewusste Frau.

Hier geht’s zum Interview:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-philosoph-robert-pfaller-im-gespraech-die-frauen-haben-ihre-waffen-verloren-12100411.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Und hier noch einmal mein Kommentar zum Fall Brüderle vom Februar 2013:

Der Herrenwitz wird aussterben

Erst wollte ich mit meinem Kommentar über Rainer Brüderles plumpe Anmache an einer nächtlichen Hotelbar ein Jahr lang warten, schließlich hat auch die Stern-Journalistin Laura Himmelreich ein ganzes Jahr benötigt, um aus den Blicken und Worten des wohl leicht angesäuselten Brüderles eine Sexismus-Attacke zu konstruieren. Mehr Zeit brächte mich aber nicht weiter, da zu viele Fragen unbeantwortet bleiben.

1. Kann die Journalistin tatsächlich ein Dirndl ausfüllen, wie Brüderle behauptet? Was sagt die oberbayerische Damenwelt ganz objektiv zu ihren Maßen? 2. Bei welchem Typ Mann kippt in den Ohren der Journalistin die blöde Anmache in eine charmante Anspielung? Kann sie dafür Beispiele liefern? 3. Warum ist die Journalistin nicht einer besseren Story wegen auf die Avancen von Brüderle eingegangen, um ihm kurz, bevor es „heiß“ wird, mitzuteilen, dass er „leider keine Hose ausfüllen könne“? 4. Wie sollen sich die Männer in Zukunft an Hotelbars und ähnlichen Orten der offenen Begegnung verhalten? Schweigend an ihrem alkoholfreien Cocktail nippen, um sich dann zu Hause allein in irgendwelche Single-Börsen hineinzufantasieren? 5. Warum haben in der Praxis die zurückhaltend-vernünftigen Männer immer noch viel weniger Chancen, Partnerinnen kennenzulernen, als die richtigen, coolen Männer mit kessen Sprüchen? 5. Warum ist Brüderle (67) für den Stern ein „Mann der Vor-Moderne“, also so eine Art vertrotteltes Unicum aus dem politischen Freilichtmuseum, auf der anderen Seite konstruiert der Stern aus dieser banalen Begegnung einen „Tabubruch“, um seinen Lesern symbolhaft den „allnächtlichen Sexismus“ zu schildern. 6. Warum beweist Brüderle mit Sätzen wie „Am Ende sind wir doch alle nur Menschen“ so viel mehr Humor als die Journalistin, dass man im Grunde gar nicht weiß, wie ernst das Ganze überhaupt war? Warum wird in diesen unzähligen Artikeln, die auf Laura Himmelreichs Enthüllung folgten, nicht einmal die relativierende Kraft des Humors auf den „Sexismus“ untersucht? Wann folgt die Story mit dem Titel „Der Frauenwitz“? 7. Ist der Begriff „Sexismus“ hier überhaupt angemessen? Kann man Brüderle nicht einfach unterstellen, er wäre pervers, d.h. sexuell abnormal, weil er den Bereich der Tugendhaftigkeit verlassen hat? Gibt es so etwas wie einen negativen Sexismus von Frauen, die Männer auf ihren Sozialstatus abscannen?

Zwei Dinge lernen wir aus diesem Fall:

1. Die Selbstreferenzialität der journalistischen Szene schadet dem Bestreben nach Aufklärung und differenzierter Betrachtung in der Öffentlichkeit. Echter Sexismus ist tatsächlich alltäglich. Jeder weiß, dass zum Beispiel Pflegerinnen den sexuellen Belästigungen ihrer männlichen Patienten ausgeliefert sind und dass viele Frauen in beruflichen Abhängigkeiten von Männern bedrängt werden. Aber das sind eben ganz andere Geschichten. Und es sind die Geschichten, die wir eben nicht zu lesen bekommen, weil die falschen Leute Zugang zu den Medien haben.

2. Wenn Brüderles zwei Minuten Schlüpfrigkeit als „Sexismus“ abgestempelt werden, dann hat der hellsichtige österreichische Philosoph Robert Pfaller Recht mit seiner These, dass wir der Ära der Postsexualität zustreben. Der Herrenwitz wird aussterben. Zwar dürfen die Leute noch auf Ü30-Partys und anderen ausgewiesenen Freizonen eine gewisse Frivolität an den Abend legen, aber im alltäglichen Miteinander wird das spielerische Gespräch der Vorsicht weichen. Pfaller schreibt: „Gerade die öffentlichen Lustressourcen werden in der postmodernen Beschwerdekultur den Individuen entzogen. Dieser Instrumente der Lustgewinnung beraubt, bleiben sie nun auf dem Rohmaterial ihrer innerpsychischen Konflikte sitzen.“ So wird es kommen. Prüderie ist bereits heute als „Zeichen gesellschaftlicher Distinktion“ weitverbreitet.

Ein gebrochenes Herz für 1,30 Euro

Deutschlands wohl bekannteste Supermarkt-Kassiererin ist tot. Barbara Emme, bekannt unter dem Namen Emmely, starb am 17. März im Alter von 57 Jahren an Herzversagen. Emme war mit dem Protest gegen ihre Kündigung deutschlandweit bekannt geworden.

2008 hatte die Supermarktkette Kaiser’s sie nach 31 Dienstjahren fristlos gekündigt. Eine Kundin hatte im Geschäft Leergutbons im Wert von 1,30 Euro vergessen. Barbara Emme soll sie eingelöst haben. Die Kassiererin wies den Vorwurf zurück und klagte sich durch die Instanzen. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hob die Kündigung im Juni 2010 schließlich auf.

Bei einem Treffen in ihrer Wohnung vor zwei Jahren sagte sie: „Ich bin eine einfache Person, die etwas gewagt hat. Nicht mehr und nicht weniger.“ In dieser Bescheidenheit stimmt das nicht.

Quelle:

http://www.taz.de/!157198/

Gott hilft uns in der Politik nicht weiter

In Schleswig-Holstein kämpft eine neue Volksinitiative für die Aufnahme eines Gottesbezugs in die Landesverfassung. Erstes Etappenziel ist das Sammeln von mindestens 20000 Unterschriften. Zu den Initiatoren gehören die ehemaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) und Björn Engholm (SPD), unterstützt von beiden großen Kirchen, den jüdischen Gemeinden und der islamischen Religionsgemeinschaft.

Carstensen erklärte beim Auftakt der Kampagne „Für Gott in Schleswig-Holstein“ Anfang März, dass die entsprechende Formulierung des Grundgesetzes – „in Verantwortung vor Gott und den Menschen“ – auch eine gute Formulierung für die Landesverfassung sei. „Auch hier haben wir Entscheidungen zu treffen, die nicht immer ganz einfach sind, sondern wo es um mehr geht als nur um gesetzliche Normen, sondern auch um Moral und um Ethik und um etwas Höheres und das ist bei mir Gott“, zitiert der NDR.

Ist das nicht etwas einfach? Gott ist irgendwie etwas Höheres und hat irgendwas mit Moral und Ethik (was ist der Unterschied?) zu tun. Auch die Botschaften der Kampagnen-Plakate und der Internetseite bleiben vage und gefühlsbetont: Gott verbindet uns und fördert den gegenseitigen Respekt.

Ich bestreite all diese Zusammenhänge. Gott (möglicherweise auch Götter – warum beteiligen sich nicht Hindus oder Pantheisten an dieser Initiative?) ist eine Vorstellung, für die es keinerlei Beweise gibt und niemals geben kann. Wer daran glaubt, sollte es im 21. Jahrhundert zu seiner privaten Befriedigung tun, aber nicht seine politischen Einflussmöglichkeiten spielen lassen und Gott benutzen. Mehr noch. Wir wären gesellschaftlich viel weiter, hätten wir schon seit Jahrhunderten einen Mensch-Mensch-Bezug in der Verfassung gehabt. Schwule haben ihre Rechte beispielsweise trotz des Widerstandes religiöser Hardliner erkämpft. Die Sexualmoral der Kirche ist nichts „Höheres“, sondern viel zu häufig etwas Primitives. Und die viel beschworenen „christlichen Werte“ wie Gerechtigkeit und Menschenwürde wuchsen auf dem Fundament der Aufklärung, Wissenschaft und künstlerischen Freiheit, nicht auf dem der Kirchen, die ihren Status Quo zu verteidigen hatten. Wer sich mit der Geschichte der Aufklärung von Giordano Bruno (auf dem Scheiterhaufen verbrannt) bis Immanuel Kant (vorübergehendes Publikationsverbot) beschäftigt, wird erkennen, dass die demokratischen Werte, die unsere Gesellschaft auszeichnen, gerade auch im Widerstreit mit religiösen Kräften errungen wurden und wir gegenwärtig weit davon entfernt sind, religiösen Fanatismus hinter uns zu lassen.

Religion und Moral sind zu trennen

Ein Gottesbezug ist ein romantischer Einfall, den wir nicht durchgehen lassen sollten. Die moralische Unschärfe der Initiative ist nichts, was wir in diesen demokratischen Zeiten gebrauchen könnten. Und Fundamentalisten disqualifizieren sich automatisch als unverantwortlich, weil sie den demokratischen Diskurs für Verbesserungen unterlaufen wollen. Der Verweis auf Gott ist der von Demokraten zu verhindernde Versuch, menschliche Bedürfnisse in eine Rangordnung zu bringen.

Ich fordere, einen abgewandelten Satz aus Kants Aufsatz „Was ist Aufklärung?“ in die Landesverfassung zu übernehmen: „Jeder Schleswig-Holsteiner sollte den Mut aufbringen, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Wir Menschen können uns auch ohne übernatürliche Kräfte für das Glück kommender Generationen einsetzen.

 

“Faszinierend”

Mr. Spock ist tot, aber seine Sprüche werden unvergesslich bleiben. Hier eine kleine Auswahl:

“Im strengen wissenschaftlichen Sinn ernähren wir uns alle vom Tod – auch Vegetarier.”

“Ich widerspreche Intellekt ohne Disziplin, ich widerspreche Macht ohne konstruktives Ziel.”

“Der Rasse meines Vaters ist die dubiose Wirkung von Alkohol erspart geblieben.”

“Ihr Erdlinge habt organisierte Gewalt über 40 Jahrzehnte hinweg glorifiziert. Aber ihr sperrt die ein, die sie privat betreiben.”

“Unlogisch.”

“Ich ernähre mich wie ein Sechsjähriger”

Investment-Legende Warren Buffett (84) ist einer der reichsten Männer der Welt und lebt doch wie ein Durchschnittsbürger. Sein Haus in Omaha (Nebraska) ist in Relation zu seinem Vermögen einfach, und am liebsten isst er in einem einfachen Restaurant in seiner Heimatstadt. Buffett hat vor einigen Jahren einen Großteil seines Vermögens der Gates-Stiftung übertragen und beklagt sich immer wieder in der Öffentlichkeit, dass seine Sekretärin prozentual gesehen eine höhere Steuerlast als er habe.

Nun verriet er dem US-Magazin “Fortune” sein Gesundheitsgeheimnis: Pro Tag trinke er im Durchschnitt fünf Dosen Cola. “Wenn ich 2700 Kalorien am Tag zu mir nehme, kommt ein Viertel davon von Cola.” Zu seinen Lieblingssnacks gehören beispielsweise Kartoffelkroketten. “Heute Morgen hatte ich eine Schale Schoko-Eiscreme zum Frühstück”, sagte er “Fortune” außerdem.

Außerdem isst der 84-Jährige am liebsten Hamburger und Pommes, Erdnussflipps, Käsekuchen, Steak oder Bonbons. Wichtig: Kein Gemüse.

In Roger Lowensteins Biografie über den Multimilliardär wird von einem Empfang mit der Queen berichtet, auf dem Buffett extra ein Hamburger serviert wurde. Das sterne-verdächtige Mehr-Gänge-Menü war ihm zuwider.

Gegenüber “Fortune” scherzte Buffett nun, dass seine Diät eine wissenschaftlich fundierte Grundlage habe: “Ich habe die Sterbetabellen überprüft. Die niedrigste Sterblichkeitsrate haben Sechsjährige. Deswegen habe ich entschieden, mich wie ein Sechsjähriger zu ernähren. Es ist die sicherste Strategie, die mir zur Verfügung steht.”

Quelle:

http://www.welt.de/wirtschaft/article137919138/Buffett-schwoert-auf-Cola-Eis-und-kein-Gemuese.html

Wo die Domestizierung des Mannes Grenzen hat

Dieser Absatz des berühmten Pinkel-Urteils sollte nicht in Vergessenheit geraten: „Trotz der in diesem Zusammenhang zunehmenden Domestizierung des Mannes ist das Urinieren im Stehen durchaus noch weit verbreitet. Jemand, der diesen früher herrschenden Brauch noch ausübt, muss zwar regelmäßig mit bisweilen erheblichen Auseinandersetzungen mit – insbesondere weiblichen – Mitbewohnern, nicht aber mit einer Verätzung des im Badezimmer oder Gäste-WC verlegten Marmorbodens rechnen.“

Der Düsseldorfer Amtsrichter Stefan Hank befand, dass Mieter selbst dann in ihrer eigenen Wohnung im Stehen pinkeln dürfen, wenn im Badezimmer empfindlicher Marmorboden verlegt ist, der durch Urinspritzer in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Die Gefahr für solche Böden sei unter Stehpinklern kaum bekannt, dürfe aber auch nicht von den Vermietern vorausgesetzt werden.